International statt Silbertal
Es soll Montafoner geben, die bis zu ihrem Ableben niemals ihr schönes, beschauliches Tal verlassen. Liegt es an der Angst vor der großen Welt da draußen? Liegt es an der Furcht vor Menschen fremder Sprache? Liegt es an der Trägheit, an mangelndem Interesse?
Nun gibt es ein Gerücht. Es soll tatsächlich Montafoner geben, die, vor dem Fernseher hockend, plötzlich auf Fernwehgedanken kommen. „Goodbye Montafon“ heißt die Sendung mit Verführaroma, die in so manchen Montafonern die Reiselust entfacht.
Uschis Silbertal-Familie Familie ist infiziert und packt die Koffer. Die Schrunser Schönheit Charly, auf Tinder unterwegs, sucht ihren Loverboy jetzt auf Hawaii und nicht mehr in Gaschurn. Zwei lustige Witwen aus St. Gallenkirch entdecken die Exotik Indiens, bemängeln aber gleich, dass die ägyptischen Pyramiden keine Lüftungsmöglichkeiten haben.
Die köstlich inszenierte Komödie mit den reiselustigen Montafonern ist kein fröhlich-satirischer Selbstzweck. Das launige Theater dient der Aufführung moderner Tänze als Rahmengeschichte. In welche internationalen Gefilde es unsere etwas unerfahrenen Montafoner auch zieht: die Tänzerinnen der jeweiligen Länder präsentieren ihnen und dem begeistert mitreisenden Publikum kulturelle Kostbarkeiten in farbenfrohen Kostümen. Welch ein optischer und akustischer Genuss über knapp zwei Stunden in der an vier Abenden vollbesetzten „Kulturbühne“ in Schruns!
Was so beschwingt zur Aufführung gelangt, ist das Ergebnis intensiver Teamarbeit unter der Leitung der Tanzpädagoginnen Celina Ganahl und Iris Onnen. Von ihrem Unterricht und den ausgefallenen Inszenierungen profitieren derzeit über 200 Schülerinnen im Alter von vier bis 80 Jahren.
Musikschuldirektor Ralph Hollenstein, der in seiner Begrüßungsansprache auf den hohen pädagogischen Wert des Tanzunterrichts hinwies, darf sich glücklich schätzen. Mit der Tanzabteilung besitzt die Musikschule ein zugkräftiges Kleinod, mit der kommunalen „Kulturbühne“ eine optimale Räumlichkeit für die Präsentation ihrer musisch-kulturellen Ereignisse.
Text und Fotos: Diedrich Onnen













